Kein Alkohol? – eine tagtägliche Herausforderung

Wer hätte gedacht, dass ein Leben ohne Alkohol einfach umzusetzen ist? Dass es wirklich so schwierig sein kann, nein zu diesem ungesunden Zeug zu sagen? Ich meine, es ist nach wie vor nicht so, dass ich täglich viel trinke, aber es gibt Phasen, in denen es mir schon schwer fällt, nicht an mehreren Tagen hintereinander zu trinken. Besonders wenn ich emotional belastet bin, habe ich ziemlich große Lust mir ein Glas Wein einzuschenken. Ich möchte auch weder mir noch euch etwas da draußen vormachen: nein zum Alkohol zu sagen, ist eine tägliche Entscheidung, besonders wenn man es über Jahre gewöhnt war, täglich zu trinken.

Auch ich hatte in der letzten Zeit wieder Tage, an denen ich täglich Wein getrunken habe. Vor einer Woche war es sogar eine ganze Flasche aber dank eines Telefonats mit meiner Psychologin habe ich wieder die Kurve bekommen und mir wieder feste Ziele gesetzt. Sie ist immer wieder erstaunt, wie ehrlich ich mir anvertraue.

Mir ist es ebenso wichtig, auch zu euch da draußen ehrlich zu sein. Es gibt Menschen, von denen man liest, dass sie es geschafft haben vom Alkohol loszukommen und ein abstinentes Leben führen. Sie können uns ein großes Vorbild sein. Aber: sie sind auch gleichzeitig eine sehr hohe Messlatte. Sie führen den Menschen, die sich tagtäglich mit dem Alkohol auseinandersetzen zwar vor Augen, dass ein Leben ohne Alkohol machbar und erstrebenswert ist, jedoch können sie einem auch das tägliche eigene Scheitern vor Augen führen. Ich selbst gehe damit mittlerweile so um, dass ich sie bewundere, aber ich setzte mich nicht länger unter Druck ihnen um jeden Preis nachfolgen zu müssen. Ich denke nämlich, es ist einfacher über den Erfolg zu schreiben, wenn man ihn erreicht hat ( zum Beispiel nach dreijähriger Abstinenz), es ist leicht in einer Gruppe den nächsten Meilenstein des Nichttrinkens zu posten (zum Beipiel 50 Tage ohne Alkohol) als darüber zu schreiben, wie der Weg ins alkoholfreie Leben ist: nämlich mühsam und schwer. Es ist einen tägliche Auseiandersetzung rund ums Thema Alkohol.

Meine Auseiandersetzung sieht in den letzten Wochen so aus: Ich trinke ein oder zwei Gläser Wein und habe dann unendlich Lust noch ein Glas und noch ein Glas zu trinken. Ich fühle mich dann angeheitert, losgelöst komme mir so frei und so unbeschwert vor. Das Gleis Wein in der Hand ist wie ein Freund, ein Halt, eine heißungsvolle Versprechung.

Doch mittlerweile habe ich vesrtanden, dass er mir nur vorgaukelt für mich da sein, vor allem im Moment des Trinkens. Denn am kommenden Tag sieht die Welt schon ganz anders aus. Dadurch dass es immer wieder konsumfreie Tage und Wochen und Monate in diesem Jahr 2020 gab, signalisiert mir mein Körper am kommenden Morgen mittlerweile ganz genau, dass ich zu tief ins Glas geschaut habe. Ich trinke eine halbe Flasche Wein und mir ist am kommenden Tag übel und schwindelig. So schwindelig, dass ich überhaupt gar nichts hinbekomme. Solche Mengen hätte ich vor Jahren noch locker vertragen. Aber offensichtlich signalisiert mir mein Körper, dass es an der Zeit ist, endlich einen gesunden bzw. noch gesünderen Lebensstil einzuschlagen.

Ich möchte euch da draußen jedenfalls Mut machen und euch sagen, dass das Scheitern, das Wiederaufstehen bei dem Thema Alkoholverzicht ein völlig normaler Vorgang ist. Es lohnt sich, seine täglichen Mengen aufzuschreiben und sich wenigstens ein paar konsumfreie Tage die Woche vorzunehmen. Am besten man legt die konsumfreien Tage am Beginn der Woche fest und man schreibt sich auch auf, wie viel man vorhat an einem Abend, an dem man sich Alkohol erlaubt, zu trinken. Mir hilft es, mich an meine Ziele zu erinnern und mich bewusst mit dem Thema auseianderzusetzen. Diese Vorgehensweise hat mir geholfen, überhaupt mal ein Gefühl für verträgliche Mengen zu bekommen. Denn: Es gab Tage und Woche in meinem Leben, da habe ich ohne Limit getrunken, aber die sind zum Glück vorbei. Seit Beginn des Jahres gab es keinen völlig verkatertern Samstag oder Sonntag mehr. Deshalb bin ich für mich auf einem sehr guten Weg und darf zu Recht stolz auf mich sein.

Aber ein komplett konsumfreies Leben ist ehrlich gesagt auch noch nicht in Sicht. Ich bin demnach bisher nicht dieses Vorbild, dass es bisher geschaftt hat, das leuchtende Beispiel des absoluten Abstinenz zu sein. Es hat sich lange gut angefühlt, überhaupt gar nicht zu trinken und ich denke, dass es für viele Menschen der richtige Schritt ist. Denn ehrlich gesagt ist es einfacher für den Kopf und den Körper zu wissen, da kommt sicherlich nie wieder Alkohol. Aber auch diese Menschen müsse sich eines Rückfalls sehr bewusst sein.

Ich weiß nicht, ob dieser komplette Verzicht für mich der richtige Weg ist. Ich versuche jeden Tag so wenig wie möglich zu trinken, manche Tage trinke ich in der Tat gar keinen Alkohol und an den Tagen, an denen die Gefahr besteht, dass ich über den Durst trinke, an denen werde ich weiterhin arbeiten. Die Devise lautet: weniger ist mehr und die Devise lautet auch: einen gesunden Lebensstil entwickeln, auf sich achten und andere Beschäftigungen zu finden, die erfüllen und glücklich machen.

Ich grüße Euch alle ganz herzlich.

Eure Freya

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