Wie visualiere ich meine Abstinenz? 🗓️☀️

Als ich gerade unter den Emoji ein Symbol bzw. Verbotszeichen für Alkohol suchte, wurde ich nicht fündig, aber ein Symbol für Rauchverbot gibt es ?!?…. Was gibt uns das zu denken? Nun ja, offensichtlich wird das Nichtrauchen in der Gesellschaft eher toleriert bzw. eingefordert als die Nüchternheit. Nüchtern zu sein scheint weniger „in“ zu sein als rauchfrei zu sein.

Nüchternheit bedeutet Klarheit, dort wo die Klarheit ist das Licht. Deshalb habe ich mich neben der Überschrift nun für die Sonne entschieden.

Nun möchte ich euch aber gerne meine Handy App vorzustellen, welche mich seit meinem ersten nüchternen Tag begleitet. Ich habe sie letztes Jahr das erste Mal aktiviert, als ich beschloss endlich konsumfrei zu leben. Ich hatte zuvor auch einige andere probiert, aber diese befand ich für mich am besten.

Ehrlich gesagt deaktivierte ich sie wieder als ich nach meiner konsumfreien Zeit von fast zwei Monaten mit der Nüchternheit einknickte. Nun läuft sie aber seit meinem 2. ernsthaften Versuch wieder bei mir und da ich es nach wie vor für sinnvoll halte, eine visualisierte Motivation vor Augen zu haben, möchte ich sie euch gerne vorstellen.

Ganz oben links wo die drei Balken sind, erscheint beim Tippen eine Leiste, in der man u.a. das Benutzerprofil (User profile) anlegt. Dort gibt man das Datum und die Uhrzeit des Trinkstopps ein (Quitting hour) und wie viel Geld man pro Woche für Alkohol ausgibt (Money spent weekly) und wie viel Drinks man wöchentlich zu sich nimmt (Drink per week). Zudem klickt man an, in welcher Währung man in seinem Land bezahlt (Currency).

Ehrlich gesagt, fiel es mir ziemlich schwer, abzuschätzen, welche Summe und wie viele Getränke ich angeben soll. Ich machte somit eine durchschnittliche Rechnung inklusive Ferien und Restaurantbesuchen, wo der Alkohol ja nochmals teurer ist. 50 Euro die Woche erscheinen mir da für gerechtfertigt.

So, wenn das Userprofile ausgefüllt ist, muss nichts weiter getan werden. Die App berechnet alle angegebenen gesundheitlichen Erfolge und Ersparnisse aufgrund dieser Daten. Auf dem ersten Bildschirm wird dann dein Erfolg (Progress) angezeigt. So steht unter einem Balken immer das nächste Ziel und darüber die Prozentangabe bis zu diesem Ziel. Neben einer Uhr stehen die nüchternen Tage und Stunde angezeigt, darunter ein Sparschwein, das das gesparte Geld visualisiert, folgend von einem Herz mit EKG-Stromzeichen, das die „wiedergewonnen Tage“ aufgrund von Alkohlverzicht anzeigt und abschließend findet man ein Symbol mit durchgestrichenen Gläsern, das die ausgelassenen Drinks verdeutlicht. Darunter dann ist eine Tabelle zu finden, die der Frage nachgeht, was man im Gegenzug für das konsumfreie Leben zurückerhält. Diese Tabelle zeigt Daten von einer Woche bis zu 20 Jahren an. Und man glaubt es kaum: in meinem Fall würde ich, wenn ich weiterhin nüchtern bleibe innerhalb von 20 Jahren 52 000 Euro sparen und 1 Jahr 2 Monate und 8 Tage länger zu leben haben.

Neben dem Symbol Progess oben auf dem Bildschirm ist ebenfalls ein Herz zu finden, das Health (Gesundheit) heißt. Dort wird der gesundheitliche Fortschritt angezeigt. Diese dann auftauchenden Symbole sind nicht zufällig in der vorgegebenen Reihenfolge angeordnet. Die Anordnung wird davon bestimmt, wie lange der Körper braucht um sich in den einzelnen Bereichen zu regenieren. So wird der Alkohol im Blut beispielsweise innerhalb eines Tages abgebaut, aber bis sich die körperliche Gesundheit wieder stabilisiert hat, das kann bis zu zwei Wochen dauern. Klickt man das jeweilige Symbol dann an, erscheint unten auf dem Smartphone eine Erklärung, was mit dem jeweiligen Item gemeint ist. Für körperliche Gesundheit steht zum Beispiel geschrieben: Nach zwei Wochen wird sich die körperliche Gesundheit beginnen zu verbessern. Das Verdauungssystem, Schlaf, die Sehschärfe und das Hautbild wird sich beginnen zu verbessern.

Ich persönlich empfand es zunächst schockierend zu sehen, welche Regionen des Körpers und des Gehirns von meinem Alkoholkonsum überhaupt betroffen sind. Dann wurde mir aber bewusst, dass ich all diese Regionen meines wichtigsten Werkzeuges jahrelang ignoriert hatte. Nun freue ich mich, dass ich einige Ziele unter „Health“ schon erreicht habe und warte sehnsüchtig auf die „Physical Fitness“, die aber dieses Jahr bedeutend schneller kam als im Letzten.

Ich bin mir bewusst, dass alle diese Angaben der App nur Näherungswerte sind, da ich am Beginn viel zu wenige Angaben im Benutzerprofil angeben musste, um einen Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit erheben zu können. Dennoch finde ich sie sehr motivierend, es ist eben ein Spiegel, der mir vor Augen gehalten wird. So muss man die App auch sehen: sie wird keine Garantie dafür sein, dass man überhaupt aufhört zu trinken, aber sie visualisiert die wichtigsten Erfolge und unterstützt einen darin, das Ziel konsumfrei zu leben zu verfolgen.

Neben diesem latenten Gefühl, dabei zu sein in die Abhängigkeit zu rutschen oder vielleicht bereits abhängig zu sein, machte ich mir nämlich am meisten Gedanken über meine Gesundheit. Und klaro, mich ärgerte auch das Geld, das ich so lange aus dem Fenster schmiss. Gerade jetzt, beim Tippen der letzten Zeilen, kommt mir ein Gedanke: Man kann die Tabelle, welche das gesparte Geld anzeigt, auch anderherum lesen 😉 Oh shit, ich will es gar nicht wissen, aber ich schaue jetzt nach. Oh mann, ist das krass !!! Da ich ja weiß, dass ich seit fünf regelmäßig Jahren trinke, kann ich mich nicht belügen: ich habe fast 13 000 Euro für Alkohol ausgegeben. Und vermutlich sogar mehr. Diese Wahrheit ist gerade ziemlich ernüchternd, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wieder einmal frage ich mich nach diesem Eintrag, was Alkohol trinken eigentlich bringt. Irgenwie doch gar nichts. Man schadet seiner Gesundheit, man schadet vlt seiner Familie und Umwelt, man schadet seinem Sparschwein. Diese Einsicht bestärkt mich darin, es durchzuhalten. 😊: ich lasse einfach das erste Glas Alkohol stehen. Jetzt und heute. Und genieße das Gefühl der Freiheit, diesen Willen zu haben.

Eine kleine Korrektur muss ich zu meinem Screenshot hinzufügen: an einem einzigen Tag, dem 21., konsumierte ich wieder. Ab dann bin ich wieder nüchtern. Ich habe es für mich nicht über das Herz gebracht, die Uhr wieder zurückzudrehen. Übermorgen werde ich es tun, da sind es wieder 21 Tage.

Selbstbetrug oder Selbstmotivation? Macht euch eure eigene Meinung, ich war nun ehrlich zu euch da draußen. Auch in der Hinsicht, dass Rückfälle vorprogrammiert sind. Und dass man sie in der Wirklichkeit nicht rückgängig machen kann. 🤓Aufstehen, Krönchen richten und wieder von vorne beginnen! 👸

Hier übrigens der Link zu der beschriebenen App : https://apps.apple.com/de/app/quit-drinking-stay-sober/id1438825566

Seid alle superherzlich❤️ gegrüßt. Ich wünsche euch viel Kraft.

Eure Freya

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