Chancen und Grenzen: Was haben „Shutdown“ in Corona-Time und Alkoholabstinenz eigentlich gemeinsam?

Ich weiß, diese Frage aufzuwerfen, scheint auf den ersten Blick komisch, eventuell für manche sogar absurd. In Anbetracht der Gefährlichkeit des Coronavirus ist sie gegenüber betroffenen Menschen möglicherweise nicht „fair“. Mir geht es beim Stellen dieser Frage auch nicht um die Krankheit und ihre schlimmen Konsequenzen an sich. Mir geht es bei diesem Vergleich um die Auswirkungen des „Shutdowns“ und um die Auswirkungen der Alkoholabstinenz, wenn sich eine Person, die zu oft Alkohol konsumiert, sich dazu entscheidet, abstinent zu leben. Im Folgenden möchte ich einige Parallelen aufzählen, was sowohl der Shutdown als auch die Abstinenz die Menschen lehren kann:

1. Einsicht. Zwar ist Alkoholismus oder ein Alkoholproblem per se nicht ansteckend, aber um in die Phase der Abstinenz zu gelangen, muss eine Einsicht kommen, die sagt: es ist gut nichts zu trinken. Momentan müssen wir alle einsehen, dass es gut ist, daheim zu bleiben, um andere Menschen nicht zu gefährden.

2. Der Prozess der Akzeptanz. Immer wieder würden wir in der aktuellen Situation gerne auf der Straße bummeln gehen und uns amüsieren, in Restaurants etwas Gutes essen, Tanzveranstaltungen und Konzerte besuchen, schöne Abende mit Freunden verbringen. Es fällt einem schwer, darauf zu verzichten. Aber wir haben schon lange damit gerechnet, dass diese Massnahmen ausgesprochen werden, da in den Medien immer wieder die Rede davon gewesen war. Bei einem Alkoholproblem verhält es sich ähnlich: man muss akzeptieren auf den Alkohol langfristig zu verzichten, da dieser Akzeptanz die Einsicht (siehe Punkt 1) zu Grunde liegt, dass Alkohol mir und meiner Gesundheit schadet.

3. Die soziale Isolation. Ein Mensch mit einem Alkoholproblem meidet nach dem Entschluss nicht zu trinken oft Veranstaltungen und Ereignisse bei denen getrunken wird. Das führt dazu, dass er zunächst einmal oft mit sich alleine ist. Es ist eine Umstellung für ihn, sich andere Beschäftigungen und Freunde zu suchen, die nichts mit dem Thema „trinken“ zu tun haben. In Zeiten des „Shutdowns“ erleben gerade viele Menschen diese Isolation und Einsamkeit, da gewohnte Orte und regelmäßige soziale Kontakte gerade komplett „wegbrechen“.

4. Die Sinnsuche. Genau wie viele Menschen sich in der aktuellen Krise gerade fragen, was das eigentlich Wichtige im Leben ist, so stellt sich eine Person, die aufhört regelmäßig Alkohol zu trinken, genau die gleiche Frage. Wenn ich länger nicht das Gewohnte tue, dann müssen neue oder andere Beschäftigungen her, dann widmet man sich eventuell auch eher Dingen, die lange liegen geblieben sind. Auch muss ich mich mit mir und meinen Grenzen mehr auseinandersetzen.

5. Die Beschäftigung mit dem sozialen Umfeld. Wer regelmäßig übermäßig Alkohol konsumiert hat die Angewohnheit sich innerlich abzukapseln. Das Leben „geschieht“ um einen herum und man tendiert dazu, Menschen und ihre Anliegen zu vertrösten. Vielleicht bzw. hoffentlich ist es nicht bei jedem so, aber wenn man nicht mehr trinkt, dann wird man wieder offener und liebevoller im Umgang mit seinem familiären und freundschaftlichen Umfeld. Auch in Zeiten des Corona Virus lernen die Menschen wieder, sich aufeinander einzulassen und sich anzunähern, man muss sich füreinander öffnen.

6. Eine lange Zeit. Jemand der beschließt, keinen Alkohol zu trinken, sollte dies im besten Falle für immer tun, somit die Langfristigkeit vor Augen haben. Zum Glück und hoffentlich wird die Zeit der häuslichen Isolation nur noch wenige Wochen andauern.

Hier fängt die Parallele „Shutdown“ und „Abstinenz“ an zu hinken. Eigentlich ist das aber auch gar nicht schlimm. Ich möchte allen, die sich entschlossen haben, dem Alkohol den Kampf anzusagen, Mut zuzusprechen auch in Zeiten der Unsicherheit und in Zeiten der wenigen sozialen Kontakte, standhaft zu bleiben. Corona wird nicht ewig sein, wohl aber die negativen Auswirkungen von Alkohol. Und wenn das alles vorbei ist, haben die Menschen hoffentlich gelernt, wieder mehr füreinander da zu sein, dankbar zu sein, dass es die anderen gibt. Corona als auch die Abstinenz kann als Chance auf Weiterentwicklung angesehen werden.

Bleibt alle gesund und daheim!

❤️ lich Eure Freya

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s