Tag 23: Kein Alkohol-keine Party?

Eigentlich hatte ich heute vor, der Frage nachzugehen, woran sich Alkoholabhängigkeit festmachen lässt. Allerdings merke ich, dass mein Kopf am Ende der Woche nicht so arbeiten kann, wie mein Geist es will. Deshalb schreibe ich jetzt einfach über meinen aktuellen inneren Zustand und darüber wie ich mich aktuell mit dem Leben ohne Alkohol fühle.

Ehrlich gesagt bin ich gerade an einem Punkt, wo ich das Gefühl habe, gerne wieder Alkohol trinken zu wollen. Das vierte Wochenende in Folge ohne Party, ohne ausgehen, ohne Wein und Bier. Ich hätte gerade wirklich Lust, zwei Gläser Weißwein zu trinken und danach tanzen zu gehen. Es ist Freitag und ich möchte gerne die stressige Woche hinter mir lassen. Ich frage mich, ob ich nicht doch einfach wieder trinken sollte. Die Vorstellung, nüchtern zu einer Party zu gehen, ertrage ich gar nicht. Außerdem will ich ja gerade zur Party, damit ich Alkohol trinken kann. Die Vorstellung lockt mich enorm.

Da ich dieses Gefühl jetzt seit ein bzw. zwei Stunden habe, beschloß ich an den Rechner zu gehen und zu schreiben. Mein Mann rief von unterwegs an und fragte mich, was er denn einkaufen solle. Ich antwortete ihm, eine Flasche Weißwein. Einfach um zu testen, was er sagen würde, vielleicht auch um zu wissen, wie ich reagiere, wenn ich doch nun die Möglichkeit hätte, an den Wein zu gelangen, ohne selbst aus dem Haus zu gehen. Die Antwort kam prompt: Freya, du bist alt genug, du weißt, dass du bei zwei Gläsern Stop sagen solltest. Wenn du das gelernt hast in den letzten drei Wochen, dann ist es ja gut. Ich liebe meinen Mann, aber das hat er wohl noch immer nicht verstanden. Dass ich ja genau das ja nicht kann bzw. will. Ich will ja dann weiter trinken. Das weiß ich. Ich würde mich gleich nach dem Wein so gut fühlen, dass ich auf die Party gehen würde und noch mehr Alkohol trinken würde. Ich kann meinem Mann aber auch nicht böse sein, den Wein mitbringen zu wollen, weil er ja nicht mein Aufpasser ist und mir auch nie etwas aufzwingen würde- auch das Nichttrinken nicht. Er sagte nur, wie schön es doch heute Nachmittag gewesen sei, mich so fröhlich wie seit Langem nicht Blumen umtopfen zu sehen, wie ich wieder scherzen und lachen würde, wie losgelöst und fröhlich gerade sei. Ich sagte nur: Okay, lass den Wein bitte im Laden. Und da bleibt er jetzt auch. Bereits als ich zu meinem Schreibtisch kam, den Rechner hochfuhr und anfing zu schreiben, dachte ich mir: Nein, Freya, du hast eine Aufgabe, du hast eine Botschaft an die Menschen, die deinen Blog lesen. Du kannst doch jetzt nicht einfach selbst aufgeben. Ich fing an, diesen Eintrag zu schreiben, ich weinte dabei und dann kam der soeben geschilderte Anruf meines Mannes. Es lief alles parallel.

Rechts neben dem Schreibtisch habe ich einen großen Jahresplaner hängen. Ab dem 2. Januar trage ich jeden Tag ein Herz ein. Heute ist Freitag, der 24. Januar. Die Reihe von Herzen gibt mir Kraft, es weiter zu machen. Jeden Abend nach 18 Uhr trage ich ein Herz in den Kalender ein. Was hätte ich heute eingetragen, wenn ich nun trinken würde? Einen Strich? Ein Kreuz? Einen traurigen Smiley? Nichts? Es würde mir weh tun, diese Linie an Herzen zu durchbrechen.

Mein Mann schickt mir gerade ein Bild von der Supermarktkasse. Nach dem ersten Blick denke ich: Krass, wie viele Wasserflaschen hat der denn auf das Kassenband gelegt. Nein, nichts da. Beim Vergrößern des Bildes sehe ich, dass es zwölf Wodkaflaschen sind! Leute, ich erzähle keine Märchen. Hinter dem Kassenband ist das übliche Regal an der Kasse mit alkoholischen „kleinen“ hochprozentigen Getränken zu sehen. Unsere Gesellschaft ist sowas von verrückt. Alkohol ist dauerpräsent. Mein Mann schreibt mir, dass es Jugendliche seien, die das Zeugs kaufen würden und noch Witze à la : “ Ein ordentliches Frühstück“ machten. Mir dreht sich der Kopf gerade und mir wird wirklich schlecht.

Somit möchte ich heute als Anregung für morgen mit einem Video bzw. Songtip meinen Blog schließen. „Alors on danse“ von Stromae thematsiert den Teufelskreis der Abhängigkeit und den gesellschaftlichen Diskurs rund um das Thema Alkohol. Schaut euch das Video einfach an. Wenn man genau hinschaut und den text dazunimmt, begreift man, dass dieses Lied alles andere ist als eine Verherrlichung von Alkohol, so wie es beim Anschauen des Clips vielleicht auf den ersten Blick aussehen mag. Morgen dann, im ausgeschlafenen Zustand, werde ich meine Gedanken zu diesem Lied, aber auch meine Gedanken zum Thema Abhängigkeit erläutern.

Die Flasche Wein steht im Supermarkt und ich bin stark geblieben. Ich freue mich nun auf ein gesundes Abendessen, viel Wasser und einen nächsten katerfreien Samstag.

Erkenntnis des 23. Tages: Alkohol und Party kann mich mal 😉 Stärker als die Versuchung sein wird sich sicherlich lohnen.

Liebeste Grüße an euch alle draußen. Danke für eure Zeit, meine Gedanken zu lesen und hinterlasst mir doch einfach einen Kommentar.

Eure Freya

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