Tag 11: Gedanken über die negativen Auswirkungen von Alkohol

Heute ist wieder Familientag angesagt. Das ist der zweite Sonntag in Folge. Diese Erkenntnis fühlt sich wirklich gut an und zeigt mir eine positive Veränderung in meinem Leben seitdem ich mich entschlossen habe, keinen Alkohol mehr zu konsumieren. Trotz meines Dates am Samstag Abend inklusive Übernachtung bin ich nüchtern und ausgeschlafen um elf Uhr morgens wieder bei mir daheim. Ich bin in der Lage Kuchen zu backen und ein Mittagsmenü für sieben Personen zu zaubern. In aller Ruhe, Schritt für Schritt ohne Ängste, Kopfweh und dem Bedürfnis nach Schlaf.

Meine Familie gibt mir momentan sehr viel Halt. Ich verstehe, dass sie immer für mich da sind und auch immer für mich da waren. Aber duch den vielen Alkoholkonsum hauptsächlich am Wocheende habe ich mich abgeschottet, war schlecht gelaunt und wollte oft einfach nur meine Ruhe haben.

Ich bemerke momentan an meinem eigenem Leib, dass Alkohol viele negative Auswirkungen auf mein Leben hatte. Als ich Alkohol konsumierte, war mir das gar nicht so sehr bewusst. Generell lassen sich wohl körperliche und seelische Folgen feststellen. Ich möchte aber an dieser Stelle betonen, dass bei mir eine psychische und zum Glück noch keine körperliche Abhängigkeit vorliegt. In wie fern sich über den Begriff „Abhängigkeit“ „streiten“ lässt, das möchte ich in einem der nächsten Blogbeiträge erläutern.

Körperliche Folgen sind nach direktem übermäßigen Alkoholkonsum wohl allen bekannt. Der berühmtberüchtigte Kater nach einer fast durchgezechten Nacht ist wohl eines der schlimmsten Gefühle, das es gibt: Übelkeit, gepaart mit Schwindel und einem unendlichen Bedürfnis nach Schlaf. Dieser wird durch den Abbau des Alkohols in unserem Körper verursacht. Es lässt sich eben nicht verleugnen: Alkohol ist ein Nervengift und ein Gift für unsere ganzen Organe. Was ich noch bei mir beobachten konnte: ich habe es vermieden, mich mehr als nötig zu bewegen. Klar, laufe ich auf der Arbeit und auch daheim beim Putzen oder Kochen musste ich mal aus der Komfortzone heraus kommen, aber die Motivation irgendeinen Sport zu treiben ging gleich gegen Null. Dann war ich andauernd müde, ich hatte das Gefühl immer und überall schlafen zu können. Nun ja, das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, wenn der Körper unter der Woche ständig mit dem Abbau der schädlichen Stoffe aus dem Wein und dem Bier beschäftigt war. Zudem war die Müdigkeit sicherlich auch der schlechten Schlafqualität geschuldet. Wer regelmäßig Alkohol konsumiert, schläft zwar schneller ein, wird aber in der Nacht öfters wach und kann schlecht wieder einschlafen. Es kam die letzte Zeit sehr oft vor, dass ich ab 2 Uhr morgens nicht mehr schlafen konnte, vor allem, wenn ich abends Weißwein getrunken habe. Zum Glück konnte mir mein Arzt noch keine weiteren negativen körperlichen Auswirkungen des Alkohlkonsums mitteilen. Ich bin froh gerade die Reißleine zu ziehen, bevor die Leberwerte in den Keller gehen oder das Herz in Mitleidenschaft gezoen wird. Sicherlich hat meinen inneren Organen der Alkohol nicht gut getan und sie werden einige Zeit brauchen, bis sie sich wieder komplett regeneriert haben werden.

Die seelischen Folgen des Alkoholkonsums sind eventuell bei jedem Menschen anders. Ich habe bisher zwar das eine oder andere Buch gelesen, in welchen Menschen über ihre Abhängigkeit und ihren Weg aus der Abhängigkeit berichten, aber persönlich konnte ich mich bisher mit niemandem darüber austauschen. Ob ich den Mut habe, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen, wird sich in den kommenden Woche zeigen. Das größte Problem für meine Seele war der „Trinkdruck“. Ich hatte vor allem nach der Arbeit und in Situationen, die für mich auf der Gefühlsebene Stress bedeuteten, das starke Verlangen nach Alkohol. Dieses Verlangen kam auch in glücklichen Situationen und nach erfolgreich gemeisterten Hürden im Berufsleben auf. Mein Belohnungszentrum hatteoffensichtlich gelernt, sich mit Alkohol in schlechten und in guten Situationen „zu belohnen“. Ich konnte unter der Droge zur Ruhe kommen und mich glücklich fühlen. Allerdings war dieses Glück nur von kurzer Dauer, vor allem weil „Probleme zwar schwimmen, sich aber nicht auflösen können.“ Ein weiteres seelisches Problem bestand darin, dass ich mich enorm alleine fühlte. Ich wusste, dass es nicht gut ist, was ich tue, ich wusste, dass ich dabei bin eventuell körperlich abhängig zu werden, ich wusste aber auch, dass Alkohl irgendwie meine momentane Lösung war. Da ich nicht mehr weiter wusste, bin ich damals zu einer Beratungsstelle in meiner Stadt gegangen. Die dort anwesende Psychologin hat mit mir gut gearbeitet. Ab diesem Moment war mir aber klar, dass ich nicht so ganz alleine bin, dass es Menschen gibt, die dir helfen und dich unterstützen, wenn du aus diesem Teufelskreis ausberechen möchtest. Eine weitere negative Folge des Alkoholkonsums war mit Sicherheit ein Absinken meines Selbstwerts. Das Wissen darum, den Alkohol nicht im Griff zu haben, obwohl ich das als gestandene erfolgreiche Frau mit einem guten Beruf ja können müsste, brachte mich schier zur Verzweiflung. Ich hasste mich dafür, nicht „nein“ sagen zu können oder zu wollen. Damit einher ging eine gewisse Gereiztheit und schlechte Laune, negative Gedanken dem Leben gegenüber bis hin zu den Gedanken, was ich überhaupt auf dieser Welt will, dass ich ja eigentlich alles erreicht hätte und wofür ich überhaupt noch weiter leben soll. Diese Tage der Verzweiflung waren besonders schlimm. Und das Schlimmste: Ich redete mit niemandem über diese Gedanken. ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich nach drei oder vier Gläsern Wein in der Duschwanne saß. Das Wasser prasselte von oben auf meinem Kopf. Ich saß dort bestimmt eine halbe Stunde lang und habe darüber nachgedacht, wie ich von dieser Welt Abschied nehmen kann. Zum Glück gab es nicht viele solcher Tage, aber tendenziell war mein Denken oft von Negativität beeinflusst.

Alle diese hier geschilderten Folgen von zu viel Alkohol im Leben spüre ich seit gut einer Woche kaum mehr. Natürlich kann ich nicht behaupten, Bäume ausreißen zu können, aber ich spüre wieder eine Lust am Leben, ich empfinde Freude, ich kann nachts wieder durchschlafen, ich bin morgens ausgeschlafen. Das Beste ist, dass die Negativität und das Dunkle beginnt, sich langsam aus meinem Leben zu verabschieden. Ich hätte nie gedacht, dass das nicht ich sondern die Folgen der Droge sind. Natürlich weiß man das theoretisch. Aber warum sollte das „schon“ bei mir vorliegen? Wenn man drin steckt in dem Strudel rund ums Trinken, dann sieht man das alles eben nicht. Dann lebt man eben dieses Leben mit Alkohol. Wenn man allerdings aufhört mit Trinken, dann bemerkt man, wie schlecht man sich eigentlich gefühlt hat und wie gut es sich anfühlt so langsam aufzutauen und wieder wach zu werden.

Erkenntnis des 11. Tages: Höre auf zu trinken und merke, was dir wirklich gefehlt hat.

Ich wünsche euch allen einen Tag mit Wundern.

Ganz herzlich

Eure Freya

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